Unsere jährlichen Vereinsfeste

Vereinsfest 2017

18. Vereinsfest am 8. Juli 2017

Wie bereits im vergangenen Jahr waren sich Museum und Verein einig, das jährliche Fest mit einer Ausstellungseröffnung zu verbinden – diesmal mit einer Personalausstellung von Carsten Theumer unter dem Titel „Helden. Metamorphosen, Plastik und Gerät“.
Die Veranstaltung begann um 18 Uhr im Untergeschoss der Doppelkapelle. Nach kurzen Begrüßungsworten von Direktor Jörg Peukert und Vorstandsmitglied Reinhard Schmitt führte Stefan Lehmann, Professor für Klassische Archäologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, in das Thema ein.
Carsten Theumer wurde 1956 in Zeitz geboren und studierte von 1977 bis 1983 an der damaligen Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein bei Professor Bernd Göbel im Fach Bildhauerei. Theumer blieb bis heute an der Kunsthochschule. Er ist durch seine intensive Auseinandersetzung mit der kleinen Form und durch seine zahllosen Bronzeplastiken bekannt und mehrfach gewürdigt worden.
Das Thema der Freyburger Ausstellung widerspiegelt Theumers Interesse, ja Begeisterung, für die Helden der klassischen Antike wie Herakles.
Aber auch Comicfiguren oder die oft lebensrettenden Helden des heutigen Alltags finden sich in seinem Repertoire, beispielsweise der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin. Im Vorraum zum Gewölbekeller ist die Figur „Der Anschlag“ aufgestellt, die Beine nach oben gestreckt, parallel zu den Eisenstufen eines ehemaligen Notausganges.

Nach einem gemeinsamen Rundgang der großen Besucherschar im Gewölbekeller unter dem Fürstenbau schloß sich im Hof, im Zwickel der beiden Galerieflügel, das Vereinsfest an, dem der Künstler mit Frau und Freunden sowie Professor Lehmann gut gelaunt beiwohnten. Bei herrlichem Wetter wurden zunächst die Sehnsüchte der vielen Gaumen befriedigt, wofür Familie Berbig in gewohnter Weise wieder bestens sorgte. An den sieben sternförmig aufgestellten Tischen plauderte es sich bestens.
Eine besondere Überraschung war die Begegnung von Stefan Lehmann und Reinhard Schmitt, die vor knapp 40 Jahren an der Berliner Humboldt-Universität gemeinsam Klassische Archäologie studiert und sich seither aus den Augen verloren hatten.

Reinhard Schmitt

Vereinsfest 2016

Das 17. Vereinsfest im Weinmuseum

Diesen Beitrag möchte ich mit einer kleinen Festchronik beginnen, um deutlich zu machen, wie vielfältig und stets mit inhaltlichem Anspruch unsere Vereinsfeste in den letzten 17 Jahren gestaltet wurden. Zum ersten Vereinsfest im Jahr 2000 wurde über die 450 Jahre zuvor errichtete Renaissancehaube auf dem „Dicken Wilhelm“ informiert, 2001 feierten wir das 600-jährige Bestehen der Küchenmeisterei, 2002 ging es um das repräsentative Renaissanceportal im heute so genannten Fürstensaal. Die Ersterwähnung eines Gefängnisses auf der Neuenburg vor 500 Jahren wurde ganz zünftig ein Jahr später begangen. 2004 hieß es, sich über 300 Jahre Umbau der Burg zum barocken Jagdschloss und „Hotel“ zu informieren, im darauffolgenden Jahr erinnerte man an 70 Jahre abwechslungsreiche Geschichte des Neuenburgmuseums. Die Vorburg und das Siedlerhaus waren Themen im Jahr 2006. 2007 ging es auf Weinbergswanderung, um „den Wein zu erleben, wo er wächst“. Einen Mühlenausflug an die Holländer-Windmühle in Eckartsberga, die 1830 erbaut wurde, führte der Verein 2008 durch. Im Jahr 2009 galt es für die Vereinsfestgäste: „Backen wir´s an!“ – hierbei war der um 1709 erneuerte Backofen in der Küchenmeisterei von Interesse. Im Jahr darauf feierte der Verein sein 20-jähriges Bestehen, und ein Jahr später beschäftigten wir uns, zum Teil sehr humorvoll, mit „Dach- und Dachstuhlgeschichten der Neuenburg“. Um ebenfalls „bedacht“ zu sein, bastelte sich aus diesem Anlass jeder eine Kopfbedeckung aus Neuenburgplakaten. 2012 erinnerten wir an 745 Jahre „Palatium“, also an den Palas, auf der Neuenburg; 2013 ging es mit „Wie tief ist der Brunnen?“ um die Wasserversorgung der Burg. „Barockes Jagdvergnügen“ zum 400. Geburtstag des Herzogs August erlebten wir 2014, im folgenden Jahr stand die große Scheune in der Domäne, ein wichtiges „Förderprojekt“ unseres Vereins, im Mittelpunkt. Abwechslungsreicher hätte das Programm nicht sein können. Nun wurde erstmalig das Vereinsfest 2016 mit einer Ausstellungseröffnung verbunden. Also eine kleine Premiere. Am 2. Juli um 18 Uhr versammelten sich Vereinsmitglieder und Gäste im Weinmuseum. Der Vorsitzende René Matthes begrüßte alle ganz herzlich, informierte über den Ablauf der Veranstaltung, sprach zu aktuell Interessantem und dankte allen „montalbâne“-Helfern. Und er erinnerte an die kommenden Veranstaltungen wie zum Beispiel die Remisentreffs. Nicht nur das Vereinsfest sollte mit einem üppigen Essen und gutem Wein genussvoll verlaufen – auch die zu eröffnende Ausstellung widmete sich einem solchen Thema. Es handelte sich um „Die Sauferei des Nebels“, gemeint ist das Rauchen, und es ging um Tabakrauch und Pfeifenköpfe. Monika Markwardt ergriff das Wort und gab eine inhaltliche Einführung. Zunächst erinnerte sie an einen Mann, der die Idee zur Ausstellung hatte: Hans-Dieter Speck – Berichterstatter, Korrespondent und Fotograf, vielseitig interessiert, schrieb er sehr einfühlsam und korrekt. Vorwiegend arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung. Vor etwa drei Jahren äußerte er: „Ich habe eine Pfeifenkopfsammlung, die könnte doch mal in einer Sonderausstellung gezeigt werden.“ Das Museum war sofort interessiert und übernahm das Thema in den Veranstaltungsplan. Leider verstarb Hans-Dieter Speck am 14. Dezember 2015 ganz plötzlich. Zunächst sahen wir das Projekt gefährdet, aber sein Sohn stellte uns die Objekte zur Verfügung. Ein herzliches Dankeschön richtete Monika Markwardt an ihn und weitere Leihgeber: das Friedrich-Ludwig-JahnMuseum, Dr. Manfred Fachmann sowie zwei Privatpersonen aus Halle. Dann folgte die Einstimmung auf das Thema Rauchen und Tabak, das „Tobacktrinken“, die „Pfeifenbäcker“ und „Dosenträger“, Herrenzimmer, Meerschaumpfeifen und vieles mehr. Der gemeinsame Rundgang im Gewölbekeller bereitete Freude und Vergnügen. Viele Besucher zeigten sich erstaunt über die Fülle der Exponate und die zahlreichen neuartigen Erkenntnisse. Zurück im Weinmuseum, nahmen die hungrigen Teilnehmer anschließend Platz, bedienten sich am kalten und warmen Buffet und tranken reichlich Unstrutwein. Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil dieser Zusammenkünfte sind die intensiven Gespräche. Dabei werden oft auch private Befindlichkeiten besprochen oder nach gesundheitlichem Ergehen gefragt. Dieses freundschaftliche Miteinander ist uns allen wichtig und wird durch die Vereinsfeste erfreulicherweise vertieft.

Monika Markwardt


Vereinsfest 2015

Der 11. Juli war ein heißer Tag. Auch der Abend hatte es noch in sich, als wir uns um 18.00 Uhr zum Vereinsfest trafen. Als Thema des Abends stand „die Große Scheune in der Domäne“ auf dem Programm. Was lag da näher, als sich einfach in der Großen Scheune zusammen zu setzen. Jedoch hatte dort den ganzen Tag die Sonne durch das (noch) nicht vorhandene Dach gebrannt. So rückten wir als erstes die schweren Sitzgruppen in den Schatten, den die Wände spendeten. Auch Ehepaar Berbig suchte für ihren großen Grill Sonnenschutz – hatten sie doch auch noch die Temperaturen der glühenden Holzkohle auszuhalten.

Philipp Jahn übernahm als neuer Mitarbeiter des Museumsteams den Vortrag, den ursprünglich Reinhard Schmitt halten wollte, dem bedauerlicherweise ein anderer Termin dazwischen gekommen war. Im Schatten der Scheunenmauern sitzend, konnten wir uns sehr gut vorstellen, wie die Vorburg entstanden und gewachsen ist.

Die Neuenburg erfuhr in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts mit der Anlage der Vorburg im Osten eine maßgebliche, noch das heutige Bild bestimmende Erweiterung mit einem Umfang von gut 1,15 ha. Dass dieses Areal bereits in hochmittelalterlicher Zeit in verschiedene Bereiche gegliedert war, die neben wirtschaftlichen Aufgaben auch als Sitze der Burgmannen fungierten, ist anzunehmen, auch wenn darüber bisher wenig konkretes bekannt ist. Ein Plan der Domäne aus dem Jahr 1819 zeigt den südöstlichen Bereich der Vorburg noch als einen eigenständigen und abgegrenzten Bereich. Dieser wird im Norden durch den „Langen Stall“, in welchem sich heute die „Edelbrennerei“ befindet, im Süden durch die sog. Pächterhäuser und im Osten durch die Große Scheune, die sich hofseitig an die östliche Ringmauer anlehnt, gebildet. Diese Struktur folgt sicherlich auch den vorangegangenen Gebäudeanordnungen, wie die Ergebnisse der Ausgrabungen von Helge Jarecki nahelegen. Die Große Scheune wurde vermutlich 1739/40 errichtet, wie ein Frondienstregister nahelegt, das die Helfer beim Scheunenneubau auflistet. Zuvor wird an dieser Stelle keine Scheune gestanden haben, wird sie doch weder im Inventar von 1692 erwähnt noch im vor 1739 entstandenen Grundriss der Stadt Freyburg eingezeichnet. In den nachfolgenden Jahren wird die Scheune stets in den Inventaren gelistet, so in den Vorwerksinventaren von 1751, 1770, 1804 und 1814 sowie den Domäneninventaren von 1829, 1866, 1888, 1901, 1912 und 1939. Zahlreich sind ebenfalls die Nachrichten von baulichen Mängeln und Reparaturen wie Ausbesserungen am Dach und dergleichen. Jedoch hat der Bau keine wesentlichen baulichen Veränderungen erfahren, sodass er in seinen Dimensionen mit einer Breite von ca. 13 m und einer Länge von etwa 25 m auch heute (zwar ohne Dach) dem Bau von 1739/40 entspricht. Mit diesen Maßen handelt es sich im Vergleich um eine Scheune normaler Ausmaße. Da sie unter Einbeziehung der älteren Befestigung errichtet worden ist, verfügt sie über einen unregelmäßigen Grundriss; besonders in der unförmigen Südostecke, die sich über einem spätmittelalterlichen Rondell befindet, zeigt sich dies.

Als Ostwand dient in den südlichen Zweidritteln die Ringmauer des 12. Jahrhunderts, deren Wall scheunenseitig sukzessive abgetragen wurde und deren Fundamente anschließend stufenartig unterfüttert worden sind – wie es an mehreren Stellen der Vorburg zu beobachten ist. Wahrscheinlich ist dies bereits eine ältere Maßnahme gewesen, um Platz zu gewinnen. Der Rest des Scheunenbaus besteht aus solidem Bruchsteinmauerwerk, welches mit Ziegeln ausgeflickt worden ist. Augenscheinlich wurde das Mauerwerk der Westwand, der Nordgiebelwand und im Nordosten Mitte des 19. Jahrhunderts großzügig repariert und erneuert, wovon das Kleinquadermauerwerk in diesen Bereichen zeugt. Das Inventar der Domäne von 1912 benennt zudem die Scheune als neu und aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammend. Besonders auffällig ist das südlich des Tores verbaute Fragment eines Mehrpassfensters. Ob es sich dabei um das Relikt eines Lilienfensters handelt, ist mit Sicherheit jedoch nicht zu bestimmen.

Auf die Binnengliederung weisen nur noch einige Reste hin. Am besten lässt sie sich aus den Plänen des 19. und 20. Jahrhunderts sowie den entsprechenden Beschreibungen erschließen. Mit dem Übergang des Amtes Freyburg an Preußen wurde aus dem sächsischen Vorwerk eine preußische Domäne. Diese „Umtitulatur“ hatte jedoch weder große bauliche noch ernstzunehmende wirtschaftliche Folgen. 1945 wurde die Domäne im Zuge der Bodenreform aufgelöst und Neubauern zur Bewirtschaftung überlassen.

Die Scheune wurde bis 1990 weiter genutzt und war anschließend dem Verfall preisgegeben, sodass 1992 die eine Hälfte und 1996 das restliche Dach einstürzte. Erst in den letzten Jahren gelang die Sicherung dieses für die Nutzungsgeschichte der Neuenburg wesentlichen Bauwerkes. So konnten durch den Verein zur Rettung und Erhaltung der Neuenburg sowie durch die Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt das Mauerwerk gesichert und stabilisiert sowie der Giebel durch eine moderne Stahlkonstruktion abgestützt werden, wodurch nun dieser Bereich des Domänenareals wieder für Veranstaltungen genutzt werden kann - wenn auch bisher ohne Dach.

Ohne Dach, das war natürlich auch ein Aufhänger für die Diskussion. Vielleicht ein auffaltbares Leinendach? Oder doch nur eine bunte Regenschirmparade zu einen der Domänenmärkte? Das wird wohl eine Frage der Bereitstellung von Fördermitteln und der eigenen Kräfte sein. Zuerst einmal wurden unsere Kräfte mit Gegrilltem gestärkt – und dann waren wir froh, dass bei den Getränken auch reichlich Wasser für unseren Durst bereitstand.

Philipp Jahn

Vereinsfest 2014

Barockes Jagdvergnügen

Das diesjährige Vereinsfest führte in die Zeit der Herrschaft des Herzogs August von Sachsen-Weißenfels. Er würde dieses Jahr im August seinen 400. Geburtstag feiern. Der Herzog bevorzugte die Neuenburg als sein Jagdschloss, auf dem er regelmäßig sein herzogliches Jagdlager abhielt. So entstand auch das  Motto für unser Vereinsfest: „Barockes Jagdvergnügen“

Das Fest fand im Burghof der Neuenburg statt. Wir wurden durch die Hofgestaltung in die Wälder und mit dem anschließenden Konzert in die Zeit des Barocks hineinversetzt. Der Freyburger Thomas Fritzsch spielte in der Doppelkapelle auf seiner Viola da gamba Stücke aus der Zeit des Barock.

Ich bin als neues Mitglied des Fördervereins das erste Mal auf dem Vereinsfest. Das kleine Konzert in der Doppelkapelle erlebt man nicht jeden Tag. Ich war beeindruckt von der Akustik der Doppel-Kapelle und der altertümlichen Musik auf der Viola da gamba. Auch wir konnten der Jagdkunst frönen, nur bestand unser Ziel nicht aus einer Wildsau oder einem kapitalen Zwölfender, sondern lediglich aus einer Zielscheibe, was aber dem Spaß und der Freunde keinen Abbruch tat.

Natürlich wurde auf dem Vereinsfest auch das getan, was man gerne auf Vereinsfesten tut. Es war ein fröhliches Beisammensein mit einem liebevollen und leckeren Büfett. Es wurde an alte Zeiten gedacht, viel gelacht und gequatscht. Ich habe viel erfahren über die schweren Zeiten der Gründerjahre des Vereins. Ich hörte von bibbernder Kälte, von Blitzeinschlag, von viel Unterstützung und Leidenschaft und Stolz auf das Geschaffene.

Ich bin als Kind oft in den Ferien in Freyburg gewesen und konnte die Neuenburg nur von außen betrachten. In den letzten Jahren habe ich erlebt, wie die Neuenburg sich Stück für Stück weiterentwickelt hat. Für mich als Brandenburgerin hat die Burg etwas Inspirierendes und Lebendiges, in dessen Umfeld ich mich sehr wohl fühle.

Gabriele Loeben

Vereinsfest 2013

Wie tief ist der Brunnen? - Das 14. Vereinsfest am 1. Juni 2013

"War ich ohnedem bey aufbauung des Brunnens von Anfange gewesen". So äußerte sich der Freyburger Torwärter Tobias Sandmüller am 1. Juni 1677 in einem Schreiben an Herzog August von Sachsen-Weißenfels, also vor genau 336 Jahren.*

Unser 14. Vereinsfest hatte folglich ein „sehr rundes Datum“ zum Anlaß: Waren es im letzten Jahr 745 Jahre seit der Ersterwähnung eines Palas auf der Neuenburg, so wollten wir uns in diesem Jahr daran erinnern, daß eben genau am 1. Juni, exakt vor 336 Jahren – ein runderes Jubiläum gibt es doch gar nicht! – sich Tobias Sandmüller an seinen Herzog August in Halle wandte. Mal abgesehen davon, daß offensichtlich schon immer viel Segen und Gutes aus Halle nach Freyburg geflossen ist: Der gütige Herr erhörte schließlich das Anliegen seines Freyburger Untertanen.

Worum ging es? Zunächst traf am 8. April 1662, gegen 22 Uhr, ein Blitz den heute so benannten Bergfried II in der Vorburg. Herzog August schrieb diesbezüglich am 11. April 1662 an Kurfürst Johann Georg II. in Dresden: "[…] Zugleich mit wenigen berichte, das am negst verwichenen Sonnabent gegen 10 Vhren abents das Wetter in den großen runden Thurm vfn Schloße Zu Freyburg geschlagen vnd selbigen angezunden, wodurch er, in dem man wegen der Höhe v. mangel waßers wenig rettung thun können, gantz ausgebrandt, Undt obwol eingekommene berichte nach, die Funcken vff die nahe angelegenen Schloßgebäwde häuffig gefallen vnd dieselben daher in großer gefahr gestanden, So ist doch durch Vleißige vffsicht vndt abwehrung ferner schaden, Gott lob, verhütet worden […].“

Das war das Pech des alten, aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammenden Turms. Aber es ging noch weiter: In einem Schreiben eines Weißenfelser Beamten (vermutlich Melchior von Schlomack) an Herzog August vom 9. März 1665 betreffend den Bau des neuen Schloßbrunnens heißt es: "Hochwürdigster, gnädigster Herr, Es kam vorgestern der Amptsschreiber von Freyburg anhero und berichtete, wie daß in dem Brunnen, auf dem Schloße, an welchem bißhero gearbeitet wurde, ein großes Stück in die 80 Ehlen lang eingefallen und dahero nicht möglich were, weiter darinnen Zu arbeiten, es sey denn daß der Brunnen so weit der Einfall sich ereignet Zugemauert würde, […].Als bin ich gestern selbst hinüber, auch nach gethaner Besichtigung also bald gegen Abend wiederumb herübergefahren, und den Brunnen also befunden, daß Zwar eine große Länge in die 80 Ehlen sich abgeschalet, und herunter gefallen; Dieweil aber der Brunnen wann Er bestendig sein und bleiben soll, ohne diß von unten auf etwa einen halben Schu dick eingemauert werden muß, So halte ich meines Theils den von dem Berghauer gethanen Vorschlag gar guth, bin auch mit Ihm weil er ein Maurer ist […] so weit einig worden, daß Er solchen Brunnen, so weit der Einfall geschehen, und es nöthig befunden wird, Selbst aufmauern, und die gehülfen auf seine Kosten darZu verschaffen will. Die Zu solchem Mauerwerck bedürfenden Steine aber müßen Zwar nothwendig in die runthe ausgearbeitet werden, damit aber solches mit geringen Kosten geschafft werden könne, So ist in Vorschlag kommen, daß solche Steine von dem im Hoff stehenden großen runthen Thurm genommen werden könten, welcher wie E. F. D. schon vor diesem angeordnet, ohne diß eingebrochen werden soll, So ich meines Theils auch vor guth halte."

Also: Der Bergfried II sollte abgetragen und seine Quadersteine beim Brunnenbau genutzt werden. Danach wurde in den folgenden Jahren auch tatsächlich gearbeitet.

Am bereits erwähnten 1. Juni 1677 schrieb der Schloßtorwärter Tobias Sandmüller an Herzog August wegen der quasi ausgeschriebenen Stelle eines Brunnenwärters und begründete seinen Wunsch so: "[…] war ich ohnedem bey aufbauung des Brunnens von Anfange gewesen, Viel gefahr darbey ausgestanden, wie mir denn jüngsthin ein schwehr Bauholtz auf den Fuß gefallen […]." Sandmüller war bereits seit 1659, also von Anfang an, beim Brunnenbau beteiligt gewesen.

Das Amt Freyburg teilte daraufhin Herzog August am 21. Juli 1677 mit: „Gnädigster Herr, Nachdem E. Hochfürstl. Durchlaucht gnädigst anbefohlen, den uff dem Schloße alhier durch viell mühe und Kosten in Vorigen Jahren ausgearbeiteten Brunnen, vermittelß eines Lauffrades und was deme anhängig, zu Völliger perfection bringen Zu laßen; haben bey Hochfürstl. Durchl. unterschiedene Personen und unter andern ... der Thorwärther uffm Schloße Tobias Sandmüller, Hannß Hirschfeld ein Wagner und Toffel Heller ein Kleiber alhier sich unterthänigst angemeldet und gebethen, Sie Zu Brunnentrethern auff: und annehmen Zu laßen […]. Die weilln aber nunmehro solcher Brunnen (: durch Gottes Gnade :) gestern [am 20. Juli 1677] Vollents so weit perfectioniret worden, daß das Waßer aus selbigen durch Zwey Personen gar bequemblich durch Trethung des Lauffrades und fleißiger Wahrnehmung der Brunnen Eymer […] herauffgezogen und Zum gebrauch gebracht werden kann; So berichten E. Hochfürstl. Durchl. wir hiermit gehorsambst, daß unsern wenigen Bedencken nach, der Schloß Thorwärther Tobias Sandmüller sich zu dieser Brunnen trethers Verrichtung, wohl am besten schicken und vermittelß eines guten Gehülffen […] der sachen ein gnügen thun sollte, und Zwar aus folgenden uhrsachen: Dann ist derselbe 18 Jahre Thorwärther uff hiesigem Schloße gewesen, und hat diese Zeit über, als der Brunnen ausgearbeitet worden, stets darbey auffgewarttet, [… Außerdem] Müßte binnen wenig Jahren eine neue Thorwärther Wohnung, weilln die ietzige ganz baufällig ist, gebauet werden, die man aber von nöthen hett, sintemahle er seinen uffenhalt in Brunnen Hause haben und das alte Thorwärther Hauß, so zwischen Zweyen Thoren inne liegt, bey Fürstl. Ablagern Zum Waschhause gebraucht werden kann; Dieses seynd also die Motiven, so uns bewogen, den Schloß-Thorwärther vor allen andern Competitoren, die deßwegen unverachtet bleiben, Zum Brunnen trether unterthänigst vorzuschlagen […].“

Das Amt informierte schließlich am 25. November 1677 Herzog August: „Gnädigster Herr, Auff E. Hochfürstl. Durchl. am 24. July an uns ergangenen gnädigsten befehlich, haben Zu deßen gehorsambster Folge, Wir dem Thorwärther auff hiesigem Schloße, Tobias Sandmüllern, das Brunnenrad Zu trethen auffgetragen, auch ihme und seinen Gehülffen Zwölff Wochen lang, nemblich: von 20ten Augusti bis 11ten Instehendes (Monats Novembris), binnen welcher Zeit der Brunnen so wohl wegen E. Hochfürstl. Durchl. lengsthin alhier gehaltenen Ablagers und Verrichteter Weinlese, da man viell Waßers von nöthen gehabt, alß auch damit das Brunnenrad weilln alles neu und schwer Zu trethen gewesen, desto beßer ganghafftig gemacht werden möchte, den ganzen Tag über gezogen werden müßen […]. Diesem nach, und weilln bey E. Hochfürstl. Durchl. neulichsten Ablager (: darzu die Zeuchfelder und Pödelister Anspanner Täglich mit Zwey Karren nur allein Waßer Zum Kochen, weilln dem Mundkoche das Schloßbrunnenwaßer in etwas Zu bitter Zu seyn Bedünckte angeführet :) […].“

Fazit: Tobias Sandmüller, seit 1659 beim Schloßbrunnenbau beteiligt, bat seinen Herzog am 1. Juni 1677, ihm die Stelle des Brunnenwärters und Brunnentreters zu gewähren. Die örtliche Verwaltung (das Amt) begrüßte am 21. Juli diesen Wunsch und begründete ihn ausführlich. Bereits am 24. Juli, also nur drei Tage später, genehmigte dies der Herzog. Ab 20. August, also nach fast drei Monaten, hatte Sandmüller die Stelle inne. Ob das als eine rasche Entscheidung zu werten ist, möge man bitte mit Blick auf unseren höchst bürokratischen Alltag selbst entscheiden.

Und: Zwischen 1659 und 1677 wurde der Brunnenschacht bis in eine Tiefe von 102,4 m abgeteuft. Am 9. März 1665 war man bis zu einer Tiefe von 150 Ellen (84 m) vorgedrungen, geplant waren noch weitere 20 Ellen (11,2 m), also insgesamt 95,2 m. 1665 stürzten 80 Ellen ein (44,8 m); der Schutt lag 3 Ellen (1,7 m) hoch über der damaligen Sohle bei 84 m. Von 1665 bis zur Fertigstellung am 20. Juli 1677 vergingen noch einmal zwölf Jahre und vier Monate. Damals hatte man die Tiefe von 102,4 m erreicht.

Nach dem kurzen, das Thema des diesjährigen Vereinsfestes erläuternden Vortrag folgte der gemütliche Teil in angenehmer, unterhaltsamer Runde.

Reinhard Schmitt

Anmerkung: Die Belege zu den einzelnen archivalischen Quellen sind zu entnehmen: Schmitt, Reinhard: Schloß Neuenburg bei Freyburg (Unstrut). Quellen zur Wasserversorgung von Schloß und Domäne vom hohen Mittelalter bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt 21 (2012), S. 102-234.